Medienkompetenz stärken statt Social Media verbieten: Position von fjp>media zur Nutzungsbegrenzung sozialer Medien

Am 27. November 2025 konnte fjp>media im Ausschuss für Bildung des Landtages von Sachsen-Anhalt zur Nutzung sozialer Medien durch Kinder und Jugendliche Stellung nehmen. Grundlage war das Diskussionspapier der Leopoldina zum Umgang mit Social Media1.

Völlig klar ist, dass die psychische Gesundheit junger Menschen höchste Aufmerksamkeit verdient. Pauschale Verbote sind aus unserer Perspektive jedoch pädagogisch ungeeignet, rechtlich riskant und sozial ausgrenzend.

Als landesweiter Jugendmedienverband setzen wir uns für einen kompetenzorientierten, partizipativen und kinderrechtsbasierten Umgang mit Medien ein. Angesichts der Tatsache, dass nahezu alle 12- bis 19-Jährigen ein Smartphone besitzen, sind digitale Räume fester Bestandteil ihrer Lebenswelt. Ein generelles Smartphone- oder Social-Media-Verbot würde junge Menschen von schulischen, sozialen und gesellschaftlichen Kommunikationsräumen ausschließen und ihre digitale Teilhabe massiv einschränken.

Stattdessen plädieren wir für ein Zusammenspiel aus Schutz, Teilhabe und Befähigung:

1. Schutz durch „Safety by Design“ und datensparsame Altersverifikation

Plattformen müssen verpflichtet werden, sichere Voreinstellungen bereitzustellen – etwa private Accounts, keine personalisierte Werbung, keine offenen Kontaktmöglichkeiten oder deaktivierte Autoplay-Funktionen. Altersverifikation sollte datenschutzkonform erfolgen, ohne zentrale Datenspeicherung und ohne Ausschluss benachteiligter Gruppen.

2. Teilhabe sichern statt Grundrechte beschneiden

Ein pauschales Nutzungsverbot würde in Grundrechte wie die Meinungs- und Informationsfreiheit eingreifen. Zudem zeigen Erfahrungen, dass Restriktionen häufig zu Ausweichbewegungen in weniger geschützte Räume führen.

3. Eltern und Schulen stärken

Viele Eltern fühlen sich im Umgang mit Social Media überfordert und wünschen sich mehr Unterstützung. Notwendig sind niedrigschwellige Beratungsangebote und Präventionsprojekte. Schulen brauchen pädagogisch fundierte Medienkonzepte statt pauschaler Verbote. Digitale Kompetenzen müssen – ähnlich wie ein „Fahrradführerschein“ – systematisch vermittelt werden.

4. Alternativen und Jugendarbeit ausbauen

Empfehlungen zu Offline-Aktivitäten bleiben wirkungslos, wenn es an zugangsoffenen Angeboten vor Ort fehlt. Niederschwellige und offene Freizeitangebote für Kinder und Jugendlich wie in der Kinder- und Jugendarbeit sowie jugendgerechte Beratungsstellen benötigen eine verlässliche Finanzierung. Angebote der digitalen Jugendarbeit müssen aufgebaut und verstetigt werden.

Unser Fazit:

Wer junge Menschen schützen will, muss sie ernst nehmen. Medienbildung, sichere Plattformgestaltung und starke Unterstützungsstrukturen sind wirksamer als Verbote. fjp>media steht dem Land weiterhin als fachlicher Partner für eine jugendgerechte Medienpolitik zur Verfügung.

 

Die gesamte Position von fjp>media gibt es hier zum Download.

 

1Brailovskaia, J., Buchmann, J., Hertwig, R., Metzinger, T., Montag, C., Sadeghi, A.-R., Schneider, S., Spiecker gen. Döhmann, I. & Waldherr, A. (2025): Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Diskussion Nr. 40, Halle (Saale): Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, S. 29, zuletzt abgerufen am 24.11.2025 unter https://www.leopoldina.org/fileadmin/redaktion/Publikationen/Diskussionen/2025_Diskussionspapier_Soziale_Medien.pdf